Wer hohe Dioptrien hat, fürchtet oft, mit Brille auszusehen wie Lieutenant Jim „Fischauge“ Pfaffenbach aus der Komödie Hot Shots!. Das muss nicht sein. Hier erfährst Du, was die Zahlen in Deinem Brillenpass bedeuten, wie dünne Gläser mit hohem Brechungsindex helfen und welche Fassung bei starker Kurz- oder Weitsichtigkeit gut aussieht.
Das Wichtigste in Kürze
- Minuswerte stehen für Kurzsichtigkeit, Pluswerte für Weitsichtigkeit. Ab etwa -5 Dioptrien gilt eine Kurzsichtigkeit als stark.
- Je höher der Brechungsindex (von 1,5 bis 1,74), desto dünner und leichter wird das Glas bei gleicher Sehstärke.
- Kleine bis mittelgroße Gläser, in denen Deine Pupille etwa mittig sitzt, halten die Glasdicke gering.
- Kräftige Kunststofffassungen verdecken dicke Glasränder besser als randlose oder sehr dünne Metallbrillen.
Das „Fischauge“ aus Hot Shots: Woher der Effekt kommt
In der Fliegerkomödie Hot Shots! aus dem Jahr 1991 (oft auch „Hotshots“ geschrieben) trägt der Pilot Jim Pfaffenbach in der deutschen Fassung den Spitznamen „Fischauge“, im Original heißt er „Wash Out“. Gespielt wird er von Jon Cryer. Der Film überzeichnet gnadenlos, doch der Effekt dahinter ist echt: Starke Brillengläser verändern, wie andere Deine Augen sehen.
- Weitsichtigkeit (Plusgläser): Die Gläser wirken wie eine Lupe und lassen die Augen größer erscheinen. Ab etwa +4 dpt fällt diese Vergrößerung deutlich auf.
- Kurzsichtigkeit (Minusgläser): Die Augen wirken kleiner, und die Gesichtskontur scheint hinter dem Glas seitlich eingezogen. Das wird ab etwa -3 dpt sichtbar.

Der Grund liegt im Aufbau der Gläser: Ein Minusglas ist in der Mitte dünn und wird zum Rand hin dicker. Beim Plusglas ist es umgekehrt. Ganz abschalten kannst Du diesen Fischaugeneffekt nicht, denn er hängt vor allem von der Höhe der Dioptrien ab. Mit dem passenden Glas und der richtigen Fassung fällt er aber deutlich weniger auf.
Dioptrien einfach erklärt: Plus oder Minus?
Die Dioptrie (dpt) ist die Maßeinheit für die Brechkraft eines Glases. Sie gibt an, wie stark ein Brillenglas oder eine Kontaktlinse das Licht brechen muss, damit Du scharf siehst. Deine Werte stehen im Brillenpass, den Du nach der Messung beim Augenarzt oder Optiker bekommst.
- Minus (-): Kurzsichtigkeit. In der Ferne siehst Du unscharf, in der Nähe meist gut.
- Plus (+): Weitsichtigkeit. In der Nähe siehst Du unscharf, bei starker Weitsichtigkeit oft auch in der Ferne. Auch Lesebrillen gegen Alterssichtigkeit haben Pluswerte.
Merksatz: Kurzsichtig ist minus, weitsichtig ist plus. Haben Deine Augen unterschiedliche Werte, stehen sie im Brillenpass getrennt für rechts und links.
Dioptrien-Skala: Ab wann sind Dioptrien viel?
Eine feste, überall gleiche Skala gibt es nicht. Als grobe Orientierung bei Kurzsichtigkeit:
| Wert | Einordnung | Ohne Brille scharf bis etwa |
|---|---|---|
| bis -1 dpt | gering | 1 m und weiter |
| -2 dpt | leicht | 50 cm |
| -3 dpt | mittel | 33 cm |
| -5 dpt | stark | 20 cm |
| -10 dpt | sehr stark | 10 cm |
Die Faustregel dahinter: Teilst Du 1 durch den Minuswert, erhältst Du ungefähr die Entfernung in Metern, bis zu der Du ohne Brille noch scharf siehst. Bei -2 Dioptrien sind das etwa 50 Zentimeter, alles weiter Entfernte verschwimmt. Bei Weitsichtigkeit lässt sich das nicht so einfach ausrechnen, weil das Auge geringe Pluswerte durch Scharfstellen teilweise ausgleicht. Als stark gilt eine Weitsichtigkeit meist ab etwa +5 dpt.
Dünne Gläser bei hohen Dioptrien: der Brechungsindex
Damit Brillen trotz hoher Werte nicht nach „Flaschenböden“ aussehen, gibt es hochbrechende Kunststoffgläser. Der Brechungsindex gibt an, wie stark ein Material das Licht bricht. Je höher er ist, desto weniger Material braucht das Glas für dieselbe Sehstärke. Es wird dünner, flacher und leichter.
| Brechungsindex | Glasdicke im Vergleich | Faustregel für die Sehstärke |
|---|---|---|
| 1,5 | Standardglas | geringe Werte, etwa bis ±2 dpt |
| 1,6 | dünner | etwa ±2 bis ±4 dpt |
| 1,67 | deutlich dünner | etwa ±4 bis ±6 dpt |
| 1,74 | am dünnsten | hohe Werte ab etwa ±6 dpt |
Die Grenzen sind Richtwerte. Welcher Index passt, hängt auch von Fassung, Glasgröße und Pupillenabstand ab. Gut zu wissen:
- Entspiegelung: Hochbrechende Gläser reflektieren mehr Licht, eine Entspiegelung gehört deshalb dazu.
- Farbsäume: Bei sehr hohen Indizes können am Glasrand leichte Farbsäume sichtbar werden.
- Asphärisch: Asphärische Gläser sind flacher gebaut, dadurch dünner und weniger gewölbt.
- Preis: Dünnere Gläser kosten mehr als Standardgläser. Die aktuellen Preise siehst Du bei der Bestellung mit Sehstärke.
Mehr über die verschiedenen Glasmaterialien liest Du in unserem Beitrag Von Mineralglas zu Kunststoff.
Brillengläser bei Kurzsichtigkeit
Hier ist das Glas am Rand am dicksten. Ein höherer Index macht diesen Rand schlanker. Den Verkleinerungseffekt hebt er nicht auf, denn der hängt von den Dioptrien ab.
Brille bei Weitsichtigkeit
Hier liegt die dickste Stelle in der Glasmitte, direkt vor der Pupille. Ein höherer Index macht das Glas flacher und leichter, der Lupeneffekt fällt etwas geringer aus.
Die richtige Fassung bei starker Fehlsichtigkeit
Die Glasdicke hängt auch von der Glasbreite ab und davon, wo Deine Pupille im Glas sitzt (Durchblickspunkt). Ist die Fassung sehr breit, rücken Deine Augen nah an den inneren Rand. Außen bleibt dann viel Glas übrig, und genau dort ist ein Minusglas am dicksten. Ein breites Plusglas wird in der Mitte dicker und verstärkt den Lupeneffekt.


Diese Punkte helfen Dir bei hohen Werten:
- Pupille mittig: Wähle eine Fassungsbreite, die zu Deinem Pupillenabstand passt.
- Eher kleine, runde oder ovale Gläser: Schmale bis mittelgroße Gläser halten den Rand (Minus) oder die Mitte (Plus) dünner. Bei runden Formen ist der Rand gleichmäßiger dick als in den Ecken breiter, eckiger Gläser.
- Kunststoff-Vollrand: Ein kräftiger Rahmen aus Acetat fasst auch dickere Gläser und verdeckt den Glasrand. Bei dünnen Metallfassungen stehen die Gläser seitlich oft etwas heraus.
- Randlos mit Bedacht: Bei randlosen Brillen und Nylor-Fassungen liegt der Glasrand offen, bei hohen Minuswerten eher ungünstig.
- Guter Sitz: Sitzt die Brille nicht zu weit vom Auge entfernt, wirken die Gläser unauffälliger.
Gibst Du bei der Bestellung mit Sehstärke Deine Werte ein, zeigt Dir der Shop bei den empfohlenen Gläsern an, wie viele Millimeter das Glas am Rand Deiner gewählten Fassung maximal übersteht. Wie das funktioniert, erklärt unser Beitrag zum Digitalen Optikermeister.
Große Brille bei starker Kurzsichtigkeit?
Das geht, ist aber ein Kompromiss: Je größer das Glas, desto dicker der Rand und desto deutlicher die eingezogene Gesichtskontur. Wenn Du große Fassungen liebst, wähle Index 1,67 oder 1,74, einen kräftigen Acetatrahmen und eine Größe, bei der Deine Pupillen nicht am inneren Rand sitzen.
Brille mit unterschiedlichen Dioptrien
Haben Deine Augen unterschiedliche Werte, wird jedes Glas einzeln gefertigt, und das stärkere fällt dicker aus. Meist wählt man für beide Gläser das gleiche Material, damit die Brille gleichmäßig aussieht. Bei großen Unterschieden klären Augenarzt oder Optiker, welche Korrektion für Dich passt.
Aktuelle Fassungen im Shop
Kunststoff-Vollrandfassungen wie die Ray-Ban Wayfarer Ease oder die Oakley Holbrook RX fassen auch dickere Gläser. Achte auf eine Größe, bei der Deine Pupillen etwa mittig im Glas sitzen. Wie Dir eine Brille steht, siehst Du vorab mit der Online-Anprobe.
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Ray-Ban Wayfarer Ease (RX4340V 2000)86,19 €Unser Brillen-Experiment: -5,25 Dioptrien im Selbstversuch
Für unser Optics-Experiment hat unsere Kollegin Kata den Selbstversuch gemacht. Sie ist stark kurzsichtig, ihr Wert liegt bei -5,25 dpt. Gemeinsam mit unseren Optikern suchte sie eine Brille, in die keine „Flaschenböden“ müssen, und achtete genau auf die Punkte oben: Glasbreite, Lage der Pupille und passendes Glas. Ihr Fazit: Auch mit starker Fehlsichtigkeit kann man in einer klug gewählten Brille gut aussehen. Es müssen nicht zwingend Kontaktlinsen sein.
Häufige Fragen zu Dioptrien und dünnen Gläsern
Ist Weitsichtigkeit plus oder minus?
Plus. Weitsichtigkeit wird mit Pluswerten korrigiert, Kurzsichtigkeit mit Minuswerten.
Wie sieht man mit -2 Dioptrien?
Ohne Brille siehst Du bis etwa 50 Zentimeter scharf. Ein Buch oder das Smartphone erkennst Du gut, Straßenschilder oder Gesichter auf der anderen Straßenseite dagegen nur verschwommen.
Sind 3 Dioptrien viel?
-3 dpt gelten als mittlere Kurzsichtigkeit. Ohne Brille siehst Du bis etwa 33 Zentimeter scharf. Mit einem Glas mit Index 1,6 bleibt die Brille trotzdem schlank.
Bei Sehproblemen oder wenn sich Deine Werte verändern, lass Deine Augen beim Augenarzt oder Optiker prüfen.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.




