Die Geschichte der Brille beginnt vor gut 700 Jahren in Italien: Ende des 13. Jahrhunderts setzten Handwerker dort zum ersten Mal zwei geschliffene Gläser in eine Fassung. Hier erfährst Du, wann und wo die Brille erfunden wurde, was es vorher gab und wie sich die Brillenarten bis heute entwickelt haben. Weiter unten fasst eine Zeittafel alles zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die erste Brille der Welt entstand Ende des 13. Jahrhunderts in Italien. Wer sie erfunden hat, ist nicht überliefert.
- Vorläufer waren Lesesteine aus Bergkristall oder Beryll, die man auf den Text legte. Vom Beryll hat die Brille auch ihren Namen.
- Die ersten Brillen waren Nietbrillen ohne Bügel. Brillen mit seitlichen Bügeln setzten sich erst im 18. Jahrhundert durch.
- Später kamen Kontaktlinse, Kunststofffassung und Kunststoffglas hinzu. Heute ist die Brille auch ein Modeaccessoire.
Frühformen der Brille: von der Glaskugel zum Lesestein
In der Antike gab es noch keine Brillen. Wer schlecht sah, ließ sich vorlesen oder musste damit leben. Antike Autoren wussten aber schon, dass eine mit Wasser gefüllte Glaskugel Schrift größer erscheinen lässt. Der römische Gelehrte Plinius berichtet außerdem, Kaiser Nero habe Gladiatorenkämpfe durch einen Smaragd verfolgt. Ob ihm der grüne Stein beim Sehen half, ist umstritten.
Nach und nach wuchs auch das Wissen über das Licht. Der griechische Gelehrte Ptolemäus untersuchte um 150 n. Chr. die Lichtbrechung. Im 11. Jahrhundert beschrieb der arabische Mathematiker und Astronom Alhazen (Ibn al-Haitham) in seinem „Buch der Optik“, wie Sehen, Spiegelung und Brechung des Lichts zusammenhängen. Sein Werk wurde ins Lateinische übersetzt und prägte die Optik im mittelalterlichen Europa.
Lesesteine: die Lupe des Mittelalters
Im Mittelalter lasen vor allem Mönche mit sogenannten Lesesteinen. Das waren halbkugelförmig geschliffene Stücke aus Bergkristall oder Beryll, die man direkt auf die Handschrift legte. Die Buchstaben darunter erschienen größer. 1267 beschrieb der englische Franziskaner Roger Bacon, dass sich kleine Buchstaben mit passend geschliffenen Gläsern vergrößern lassen.
Wann wurde die Brille erfunden? Die erste Brille der Welt
Die erste Brille entstand Ende des 13. Jahrhunderts in Italien. Der entscheidende Schritt: Statt eine Linse über den Text zu schieben, fasste man zwei geschliffene Gläser ein und hielt sie vor die Augen. Brillen gibt es also seit gut 700 Jahren. Von Italien aus verbreitete sich die Erfindung rasch in Europa.
Wo wurde die Brille erfunden?
Als Geburtsort der Brille gilt Italien. Wo genau sie entstand, ist nicht sicher belegt. Oft genannt wird Venedig mit der Glasmacherinsel Murano. Die venezianischen Glashütten konnten besonders klares Glas herstellen, das man für Brillengläser brauchte. Schon kurz nach der Erfindung gab es in Venedig erste Regeln für die Herstellung.
Wer hat die Brille erfunden?
Das ist nicht überliefert. Der Erfinder der Brille ist unbekannt, vermutlich war es ein Handwerker, der Glas oder Bergkristall schliff. Namen, die später als Erfinder genannt wurden, sind nicht sicher belegt.
Seit wann gibt es Brillen mit Sehstärke?
Von Anfang an. Schon die ersten Brillen hatten nach außen gewölbte (konvexe) Gläser. Damit konnten Menschen, die in der Nähe nicht mehr scharf sahen, wieder lesen. Gläser für Kurzsichtige, die nach innen gewölbt (konkav) sind, kamen später hinzu, vermutlich im 15. Jahrhundert. Etwa zur selben Zeit ließ der Buchdruck die Nachfrage nach Brillen steigen.
Die Theorie folgte erst Anfang des 17. Jahrhunderts: Der Niederländer Snellius (1581–1626) beschrieb das Brechungsgesetz, bis heute eine Grundlage für die Berechnung von Brillengläsern.

Entwicklung der Brille: Brillenarten im Wandel der Zeit
Nietbrille: zwei Gläser, ein Niet
Die ersten Brillen waren Nietbrillen. Zwei eingefasste Gläser mit je einem Stiel wurden an den Stielenden mit einem Niet verbunden. Die Fassungen bestanden aus Holz, Horn oder Eisen. Man hielt die Nietbrille vor die Augen oder setzte sie auf die Nase. Bügel für die Ohren gab es noch nicht.
Bügelbrille und Nürnberger Drahtbrille
Später folgte die Bügelbrille: Ihre Fassung bestand aus einem Stück, ein gebogener Bügel über der Nase verband die Gläser. Wohlhabende Bürger und Adelige ließen sich solche Brillen aus Bronze oder Eisen anfertigen. In Spanien wurden große Brillen sogar zum Statussymbol; ein Nasenrücken aus Leder machte sie bequemer. In Nürnberg, einem frühen Zentrum der Brillenmacher, entstanden Brillen aus einem einzigen gebogenen Draht, die sich in großer Zahl herstellen ließen.
Die Brille im 18. Jahrhundert: endlich mit Bügeln
Lange blieb es das größte Problem, die Brille am Kopf zu halten: Sie rutschte von der Nase oder drückte unangenehm. Erst im 18. Jahrhundert setzten sich Brillen mit seitlichen Bügeln durch, die am Kopf anliegen. Damit war die Grundform der heutigen Brille gefunden. In dieselbe Zeit fällt die Zweistärkenbrille; als ihr Erfinder gilt Benjamin Franklin.
Monokel, Scherenbrille und Zwicker
Um 1800 kamen Einglasbrillen in Mode. Das Monokel wurde nicht auf der Nase getragen, sondern von den Muskeln rund um das Auge gehalten. Vor allem in der feinen Gesellschaft in Deutschland und England war es beliebt. In Frankreich bevorzugte man die Scherenbrille, die man an einem Griff vor die Augen hielt und schnell wieder verschwinden lassen konnte. Im 19. Jahrhundert folgte der Zwicker, eine Brille ohne Bügel, die mit einer Feder auf der Nase klemmt.
Kontaktlinse und Kunststoff: die Brille im 20. Jahrhundert
Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Kontaktlinsen. Sie bestanden aus Glas und wurden direkt auf dem Auge getragen. Weiche Kontaktlinsen kamen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinzu. Mehr über Kontaktlinsen liest Du in Kontaktlinsen – brillenlos scharf sehen.
Auch die Brille selbst veränderte sich. Im 20. Jahrhundert kamen Fassungen aus Kunststoff wie Acetat auf und machten neue Formen und Farben möglich. Ab der Mitte des Jahrhunderts folgten Brillengläser aus Kunststoff. Sie sind leichter und bruchfester als Mineralglas. Heute sind die meisten Brillengläser aus Kunststoff. Mehr dazu in Von Mineralglas zu Kunststoff – daraus besteht Deine Brille.
Geschichte der Brille: Zeittafel und Zusammenfassung
Die wichtigsten Stationen der Brillengeschichte im Überblick:
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| Antike | Noch keine Brillen. Antike Autoren beschreiben, dass eine mit Wasser gefüllte Glaskugel Schrift vergrößert. |
| um 150 n. Chr. | Ptolemäus untersucht die Lichtbrechung. |
| 11. Jahrhundert | Alhazen beschreibt im „Buch der Optik“ Sehen, Spiegelung und Lichtbrechung. |
| Mittelalter | Mönche lesen mit Lesesteinen aus Bergkristall oder Beryll. |
| 1267 | Roger Bacon beschreibt die Vergrößerung durch geschliffene Gläser. |
| Ende 13. Jahrhundert | Die erste Brille entsteht in Italien: die Nietbrille mit konvexen Gläsern zum Lesen. |
| vermutlich 15. Jahrhundert | Gläser für Kurzsichtige; der Buchdruck lässt die Nachfrage steigen. |
| spätes Mittelalter und frühe Neuzeit | Bügelbrille aus einem Stück, große Brillen in Spanien, Nürnberger Drahtbrille. |
| Anfang 17. Jahrhundert | Snellius beschreibt das Brechungsgesetz. |
| 18. Jahrhundert | Brillen mit seitlichen Bügeln setzen sich durch, dazu kommt die Zweistärkenbrille. |
| um 1800 | Monokel und Scherenbrille sind in Mode. |
| 19. Jahrhundert | Der Zwicker kommt auf, gegen Ende die ersten Kontaktlinsen aus Glas. |
| 20. Jahrhundert | Fassungen und Gläser aus Kunststoff, weiche Kontaktlinsen. |
| heute | Brillen in fast jeder Form, Farbe und jedem Material, auch als Modeaccessoire. |
Die Brille heute: vom notwendigen Übel zum Accessoire
Lange galt die Brille als notwendiges Übel. Heute gibt es sie in fast jeder Form, Farbe und jedem Material, und viele tragen sie bewusst als modisches Accessoire. Manche Formen erinnern an ihre Vorfahren: Runde Metallfassungen greifen die frühen Brillen auf, kräftige Kunststoffrahmen die Mode des 20. Jahrhunderts.
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Woher kommt das Wort „Brille“?
Vom Beryll. Aus diesem Mineral schliff man im Mittelalter Lesesteine und Gläser. Aus „Beryll“ wurde mit der Zeit das Wort „Brille“.
Wie sahen Brillen früher aus?
Die ersten Brillen hatten runde Gläser in Fassungen aus Holz, Horn oder Eisen und keine Bügel. Man hielt sie vor die Augen oder klemmte sie auf die Nase. Seitliche Bügel, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert.




